In einer unabhängigen Studie des Gottlieb Duttweiler Instituts, "Die Zukunft des Ferienreisens", wurde 2006 untersucht, wie sich der Reisende der Zukunft verhalten könnte.Die Studie versucht, Antworten auf die folgenden Fragen zu finden: Wie werden sich Wünsche und Werte Reisender entwickeln? Wer verreist in Zukunft? Welche neuen Märkte zeichnen sich ab? Welches werden die beliebtesten Destinationen im Jahr 2020 sein?
Der Tourist wird älter
Bei der demografischen Entwicklung in Westeuropa darf davon ausgegangen werden, dass der "ältere Alleinreisende" eine der wichtigen Kernzielgruppen bilden wird. Die Zielgruppen: "Familien" und "Kinder und Jugendliche" werden gewiss schrumpfen.
Allgemeine Einflussfaktoren, gerade auch bei Reisen
Gestiegenes Umweltbewusstsein, Individualisierung der Reisegestaltung, zunehmende Werteorientierung, stärkere Gesundheitsorientierung werden auch vor der Tür des Tourismusmarktes nicht halt machen. Außerdem ist heute bereits klar: Es wird länger gearbeitet. Die Zeit der 36 Stunden-Woche ist vorbei. Das höhere Renteneintrittsalter wird den Reisemarkt "Aktiver Senior" etwas schrumpfen lassen. Außerdem wird den Senioren das Geld nicht mehr ganz so locker in der Tasche sitzen.
Das Leistungsvermögen und der Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnologie werden auch weiter wachsen. Der Reisende wird sichim Web informieren, Preise vergleichen, Erfahrungsbericht anderer Reisender mit in seine Entscheidung einbeziehen. Gebucht wird noch häufiger im Web. Tägliche Tiefstangebote bei höchster Qualität werden vom Touristen wie selbstverständlich erwartet. Der Wettbewerbsdruck wird für Reiseveranstalter zu einer wirklichen Herausforderung werden.
Natur wird durch die Klimaverschiebungen zu einem wertvollen Gut. "Individueller Genuss" in intakter Natur wird entsprechend zu einem wünschenswerten "Reiseziel". Beliebte Reiseziele, die heute zu den Meistbesuchten zählen, werden wegen unterschiedlicher Klimakatastrophen Morgen verwaist bleiben.
Die interkulturellen und politischen Verhältnisse werden sich unberechenbar schnell verändern. Reisen könnte gefährlich werden.
Trend und Gegentrend - bereits heute aus den oben genannten Bedingungen leicht abzuleiten
Der Massentourismus wird sicher auch weiter ein wichtiges Segment bleiben, doch auch er wird sich verändern. Statt Massenpauschalreisen werden eher individualisierte Modulreisen à la carte gebucht werden. Was nicht heißen soll, dass die allgemeine Sehnsucht nach Gruppenerfahrung, dem Zusammensein mit Familie oder Freunden nicht auch zu einer neuen, steigenden Nachfrage nach "Dating- und Singlereisen" also zu neuem organisiertem Kennenlern- und Sozialtourismus führen könnte.
Einfachheit als Privileg
Der chaotische Alltag, in dem den Menschen mehr und mehr ein Höchstmaß an Flexibilität und Mobilität abverlangt wird, könnte zu einer Sehnsucht nach Normalität in den Ferien führen. Wenn überhaupt, sucht der Reisende der Zukunft meditative Ruhe und spirituelle Erlebnisse. Alltag und Erlebnisgesellschaft erschöpft die Menschen. Relax-Angebote sind heute oft schon wichtiger als Abenteuer und Unterhaltung.
2020 wird es dabei aber keine abgrenzbaren Ferien-Freizeit-Bereiche mehr geben. Ferienreisen vermischen sich mehr und mehr mit anderen Tätigkeiten: Hotels, die mit Kliniken, Schulen oder Museen zusammenwachsen, Ferienclubs, die auch Handwerksarbeitsstätten haben, Kreuzfahrtreisen mit temporären Arbeitsplätzen.
Reisen ins eigene Innere
Reisen aus Sinngründen, zu Pilgerorten oder auf Pilgerpfaden werden sicher zunehmen. Neues Entdecken, neues Wissen und neue Bildung bereits bekannter Dinge wird wichtig. Die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit in der Auseinandersetzung mit Sitten, Kunst, Kultur und neuen Ideen wird voran schreiten. Das Individuum stellt sich selbst in den Mittelpunkt.
Die Studie findet die folgenden Thesen zum Tourismus 2020
"Hyper-Holidayhubs": "More nach Mass"
Diese Erholungszentren bieten die ganze Palette dessen, was das Herz begehrt zur freien Auswahl.
"Care and Comfort"
Die Reisenden von morgen werden weniger vom Reiz des Fremden angezogen als vielmehr vom "Luxushotel Heim", wo alles ist wie daheim, nur eben besser.
"Social Hubs for Meeting and Mating"
Reisemärkte werden vermehrt Beziehungsmärkte
"Ferien als emotionale Medizin"
Der globale Trend nach Wohlfühlen und Gesundheit bewirkt ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein. Gesundheit ist die Voraussetzung zum Glücklichsein und ein Wachstumsmarkt.
"Ankommen statt weglaufen"
Ferien werden zunehmend zu Hause, in der Region oder bei der Familie verbracht.
Die Marktsegmente werden neben dem großen Massenmarkt, der unter zunehmendem Preiskampf leiden wird nach dieser Studie kleiner, spitzer und spezieller. Luxus und Rundumversorgung mit modular aufgebauten Zusatzleistungen rund um Themen wie "Gesundheit", "der Reise ins Innere", "der Gruppenerfahrung", "dem Kennen lernen" und der "privaten Wohlfühlatmosphäre".
Die vollständige Studie finden Sie unter: www.gdi.de



